Auf den Spuren von Landsleuten - informative Agrarreise nach Ungarn und Rumänien

Höchst informative Einblicke in die Arbeitsweise agrarischer Großbetriebe, die von Kärntner Landsleuten in Ungarn und Rumänien gegründet bzw. betrieben werden, verschaffte eine Agrarreise, organisiert von der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Klagenfurt-St.Veit-Rosental eGen und des Raiffeisen Lagerhauses Lavanttal, 65 Teilnehmern. Der Termin Ende Juni war gut gewählt; die Rapsernte voll im Laufen, die Weizenernte im Anrollen.

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Rumänien Agrareise  

Besucht wurden vier Betriebe, zwei davon in Ungarn, knapp hinter der österreichischen Grenze, und zwei in Rumänien. Alle Betriebe haben sich auf Ackerbau spezialisiert, wobei ein ungarischer Betrieb auch auf Mutterkuhhaltung und Rindermast setzt (insgesamt 1.500 Rinder).  Die Betriebsgröße in Ungarn  lag bei ca. 1.000ha bewirtschaftete Ackerfläche, jene in Rumänien bei knapp 2.000 ha und bei ca. 5.000ha. Während die „Kärntner“ Ungarn ihre Betriebe vor ca. 20 Jahren erworben haben, erfolgte die Aquisition im rumänischen Banat vor ca. 6 Jahren.

 

Die mediale Berichterstattung bezüglich des Umgangs mit ausländischem Grundeigentum in Ungarn und auch in Rumänien erscheint in Österreich dramatischer als vor Ort wahrgenommen. In beiden Ländern profitieren Grundeigentümer vom Erbe der öster-ungarischen Monarchie, die das Grundbuch kannte, womit zumindest zivile Rechtssicherheit gewährleistet ist. In den Agrarmarktordnungen, beispielsweise bei den Investitionsförderungen in Höhe von ca. 50% oder bei  der Mineralölsteuerrückvergütung   liegt man deutlich über dem aktuellen Niveau in Österreich. Ungarn bezahlt für die nächste Fünfjahresperiode auch Mutterkuhprämien.

 

Dem Aspekt einer sich möglicherweise entwickelnden Fremdenfeindlichkeit vor Ort angesichts der Großbetriebe steht der „Leuchtturm-Charakter“, den die Kärntner Betriebe auf die jeweilige Region ausstrahlen, gegenüber. So werden, abhängig von der Betriebsgröße und Saison, jeweils 10- 25 Mitarbeiter je Betrieb beschäftigt. Auch wenn das Lohnniveau nur etwa bei einem Drittel des österreichischen liegt, versuchen die Betriebe durch Überzahlung und gute Unternehmenskultur Leistung und Stimmung der Mitarbeiter zu halten. Die Schichten von Traktorfahrern überschneiden sich, um  bei der Übergabe des Gerätes auf notwendige Service- oder Reparaturarbeiten zu achten. „Bei der Mitarbeiterführung muss das Verhältnis zwischen Freiraum für den Mitarbeiter und die notwendige  Kontrolle passen“, meinten die „Farmer“ übereinstimmend.

 

Qualitäten der Betriebsführer sind auch im Bodenmanagement gefragt. Vielfach bestehen die Großschläge von mehreren hundert Hektar rechtlich aus einem Fleckerlteppich aus Eigentum- und Pachtflächen, welche verwaltet werden müssen. Die Bestrebungen der Betriebsführer sind auf optimale Flächenabrundungen ausgerichtet, wobei bei einer Betriebsgröße von 5.000ha wohl die derzeit größte betriebswirtschaftliche Arbeitseinheit (Fahrtstrecken: allein 40.000km Fahrten pro Jahr mit dem Betriebs – Pick up auf die Felder, Übersicht etc.) liegen dürfte. Profitiert haben die Kärntner von einer Europaweit feststellbaren Verdoppelung der Bodenpreise. Derzeit liegen diese in Rumänien um die  €5.000 pro Hektar. Die Pachtkosten liegen bei € 150 - € 250je Hektar, womit durchaus eine „vernünftige“ Verzinsung  der Grundkosten für die „Klein-Eigentümer“ möglich ist.  Trotz des hohen Eigen- Know hows und der guten Ausbildung der örtlichen Verwalter setzen die Kärntner Agrarmanager auf professionelle Agrarberatung durch internationale  Anbauberater.

 

Die ackerbaulichen Ergebnisse können sich sehen lassen. Mit Rapserträge von durchschnittlich    4 tons, Gerstenerträgen von 5-6 tons , Weizenerträgen um 6 tons liegt man  auf Kärntner Niveau. Auf Grund geringer Niederschlagsmenge (Jahresniederschlag 350-400Liter/Quadratmeter) nehmen Mais und Soja nur eine untergeordnete Rolle in der Fruchtfolge ein. Bei der Preisabsicherung setzen die Betriebsführer auf einjährige und mehrjährige Kontrakte, wobei ein Teil der Ernte auch zu aktuellen Marktpreisen verkauft wird. Preisabsicherung über die Börse wird derzeit  noch nicht durchgeführt. Zu überwiegenden Teilen wird das  Getreide von Rumänien nach Italien vermarktet.

 

Für die nächste Zukunft setzen die Betriebe auf unterschiedliche Schwerpunkte. Ein ungarischer Betrieb betreibt neben der Getreideproduktion auch einen Agrarhandel, der Rinderbetrieb erhöht die Stückzahl, was durch einen Stallneubau möglich wurde. Einer der besuchten rumänischen Betriebe erweitert seine Lager- und Silokapazitäten, um die gehandelte Produktwertschöpfung zu erhöhen. Der zweite Betrieb versucht, durch angepasste Kulturführung die ackerbauliche Produktion zu erhöhen. Bewässerung wird zunehmend ein Thema, wobei auf einem Betrieb bereits eine Anlage in Betrieb gesetzt wurde.

 

Sehr offen berichteten die Kärntner Agrarmanager über den „dornigen“ Weg, Ackerland wieder fruchtbar zu machen. Nicht nur, dass Flächen teilweise gerodet werden mussten, vielfach waren die Verdichtungen am Lehmboden so stark, dass Wasser nicht versickern konnte. Mittels Tiefenlockerung und optimaler Bodenbearbeitung schaffte man in den letzten Jahren die Trendwende. Der fruchtbare Lehmboden, im Frühjahr als „Minutenboden“ bezeichnet, verzeiht keine Fehler. Die geringe Niederschlagsmenge, zudem schlecht (eher im Winter) verteilt, führt zu einer Fruchtfolge mit Raps, Gerste und Weizen.  Bei Mais geht man auf niedrige Reifezahlen (250er), um eine möglichst frühe Blühphase zu erreichen. Das ist gleichzeitig die empfindsamste Phase in der Kulturführung von Mais. Im Wesentlichen setzt man auf Minimalbodenbearbeitung, denn jeder Arbeitsgang im Frühjahr koste 15-20 Liter Wasser je Quadratmeter, wie ein Bauer zu berichten wusste. Allerdings halten die lehmigen Böden Feuchtigkeit besser als die Kärntner Böden. Zudem wird deutlich weniger gedüngt.

Pflanzenbaulich sehr bewährt hat sich für einen rumänischen Betrieb der Zukauf von Schweinegülle, welche vom weltweit größten Schweinemäster Smithfield, der Großanlagen in Rumänien betreibt, erworben wird.  

Unsere Kärntner Landsleute beeindruckten nicht nur durch ihr erworbenes  Know how. Ansteckend waren auch Unternehmertum sowie  Stolz und Pioniergeist, den uns unsere Kärntner Agrarmanager in Ungarn und Rumänien vermitteln konnten.  Freilich liegt darin auch ein hoher Preis, der sich  nicht nur in den gefahrenen Kilometern zwischen Kärnten und Ungarn/Rumänien festmachen lässt. Ein Erlebnis für alle Teilnehmer war auch die uns erwiesene und gelebte Gastfreundschaft.

 

Rudi Grünanger

Bilder zur Reise finden Sie auf unserer Facebook Seite.